Berichte

Skitouren ins Weisse

Tourenbericht

«Skitouren ins Weisse»

26. Dez. bis 30 Dez. 2021

 

    Leitung:                  Franz Zürcher, Bergführer Teilnehmer:          10 Clubmitglieder,  2 Gäste Bericht:                  Benno Ochsner   Sonntag, 26. 12. 21 In zwei Autos nach St. Antönien gebracht, startete die Gruppe da nach einem Kaffeehalt zur ersten Tour. Der Girenspitz 2369 m.ü.M. war ein dem Wetter und der Lawinensituation angepasstes Ziel. Ersteres war schlecht, die zweitere meldete «gross». Gemächlich der Start Richtung Partnun, für den Aufstieg zur Alp Garschina konnte ein Strässchen benutzt werden. Nach dem Marschhalt verschlechterte sich die Sicht, der Schneefall setzte stärker ein. Franz zog GPS-unterstützt seine Spur und an den Tatsachen, dass gemäss Höhenmesser die Höhe erreicht war, es rundherum abwärts zu gehen schien und an einem dilettantisch aus zwei Hagstüd gebastelten Gipfelkreuz war dann mal anzunehmen, dass das Ziel erreicht sei. Eine kleine Störung im Nebelbetrieb liess dann einen Blick auf die Sulzfluh zu, und sogar das Carschinahaus des SAC liess sich ausmachen. Der Schnee auf der Abfahrt war vorzüglich, ein schuh-tief lockerer Neuschnee, aber von ausgelassenen Schwüngen war wenig zu sehen, eher so eine Art Instrumentenflug. Nun, alle kamen heil hinunter, es war richtiger Winter und die Tour hat Spass gemacht. Ein guter Anfang der Tourentage.   Montag, 27. 12. 21 So verheissungsvoll war der Tag angesagt; aber die Brauerei in Monstein (gemäss Werbung die höchste Europas) hatte geschlossen. Dafür war das Wetter gut, nachts hatte es aufgeklart, der Schnee gefroren. Von den prognostizierten Plusgraden auf 2000 m war wenig zu spüren. Neben dem Einsiedler Grüppchen hatten es offenbar noch andere Teams auf dem Plan, heute das Davoser Büelenhorn 2807 m. ü. M. zu besuchen, so dass auf dem Strässchen gegen Inneralp der Marsch etwas unruhig war. Dann gab's mehr Platz und auf der Höhe von etwa 2000 m eine Rast. Von hier an steigt der Hang fast ungegliedert bis auf 2800 m an. Eine Spur gab's auch, aber zu steil angelegt. Franz zog dann weite Kehren, denen die nachfolgenden Gruppen getreulich folgten. Der Schnee war aber sehr «guselig», zuweilen versank man bei Druck auf die Stöcke sehr tief. Fast gab's auf dem Gipfel etwas Dichtestress, aber offenbar wollten viele den schon zerfahrenen Hang als Erste in Angriff nehmen, und es gab Platz und Ruhe. Die lange Abfahrt gestaltete sich dann viel besser als befürchtet, auch wenn jetzt die Sicht zunehmend schlecht wurde, kam echte Fahrfreude auf. Nach einer Pause an den sonnenverdorrten Balken eines Alpstalls - irgendwie musste ja auch das mitgeschleppte Verpflegungssäcklein einmal zu Ehren kommen - war die Fahrt auf dem engen Alpsträsschen weniger heikel als am Vortag und es musste kaum gestemmt werden. Das einzige offene Beizli in Monstein war dicht belegt, so dass der weise Beschluss gefasst wurde, sich  das  wohlverdiente Bierchen in Davos Frauenkirch, im Hotel, zu genehmigen.   Dienstag, 28. 12. 21  Das Wetter soll heute soso lala werden, am Vormittag passabel, nachmittags Niederschläge. Um diesen in Form von Regen zu entgehen, setzte Franz den Start etwas höher an. Das Pischahorn 2979 m. ü. M war als Ziel auserkoren. Obwohl die Pischabahn in Betrieb war, hatten unsere Autos  bei der Talstation mehr als nur genug Platz. Ein Bahnangestellter kam extra heraus um uns zu fragen, ob wir mit der Bahn hinauf wollten - wir wollten nicht. In gewohnt gemächlichem Tempo führte ein Weglein die Gruppe durch den Bergwald. Ueber der Waldgrenze begann es zu schneien. Ein kleiner Halt bei der Talstation eines aufgegebenen Skilifts gab Gelegenheit, das Tenue anzupassen. Höher oben ersparte eine gepfadete Schneeschuhpiste die Spurarbeit. Nebel und Schneetreiben wurden nun stärker und nach einem weiteren stehenden Imbiss wurde die etwas heikle Abfahrt ins «verborgene Pischa» in Angriff genommen. Vor uns war eine Gruppe, ab und zu sah man durch Lücken im Nebel Touristen aufsteigen. Mit der Steilheit des Geländes nahm der Wind zu. Das letzte Stück auf den Grat musste mit etlichen Spitzkehren und mit Lawinenabstand bewältigt werden. Da der Grat abgeblasen war, wurden die Ski windsicher deponiert und der Gipfel zu Fuss bestiegen. Einmal mehr: kurzer Aufenthalt auf dem Gipfel, für einen Schluck warmen Tee reichte es, die Aussicht konnte nur mit dem Rücken zum Wind genossen werden. Zurück im Skidepot mit klammen Fingern das Schuhwerk für die Abfahrt rüsten, Reihenfolge regeln und ab ging's. Erst ziemlich steil, dann in wunderbarem Neuschnee das stille Tälchen hinunter. Für den Gegenaufstieg mussten nochmals die Felle aufgeklebt werden. Und oben schwitzte man, denn für den kurzen Aufstieg lohnte es sich nicht, die Zahl der Kleiderschichten stark zu reduzieren. Auf der nächsten Abfahrt wurde die Bergstation der Pischabahn angepeilt. Diese wird nur noch als Transportmittel für Freerider betrieben, also existieren keine Pisten mehr. Aber immerhin sind die gängigen Abfahrtsrouten mit Pfosten etwas markiert, was die Orientierung erleichterte und das Vergnügen deutlich erhöhte. Und - welch wunderbare Fügung - führte die Route genau zu einem gemütlichen Pistenbeizli, in dem wir Platz fanden und uns warme Getränke zuführen konnten. Den Rest der Abfahrtsstrecke teilten wir mit Schlittlern und einer Art Schlauchbootfahrern, die nicht queren konnten, und denen es gerade hinunter viel zu schnell ging. Unsere Gruppe dagegen erreichte den Parkplatz mit den wartenden Autos schwungvoll und ohne Stürze. Eine weitere gelungene Hochwintertour.   Mittwoch, 29. 12 21 Für heute war die Wetterprognose grottenschlecht, mindestens ab Mittag. Ein Tag zum im Bett Bleiben. Also hat Franz für uns eine etwas kürzere Tour ins Auge gefasst: den Baslersch Chopf 2628 m. ü. M. westlich der Flüelapassstrasse. Dieser Berg scheint ein ganz diskretes Dasein zu führen, niemand von uns hatte zuvor nur schon seinen Namen gehört. Also fuhren wir die Passstrasse hinauf bis zum Restaurant Tschuggen, wo bei einem Parkplatz eine massive Barriere dem Pass Winterruhe verordnet hat. Noch ohne Niederschläge konnten wir uns auf der Strasse ruhig warmlaufen. Nach dem Wägerhus ging's dann über von verstreuten Föhren besetzten und «steinreichen» Hängen hinauf in einem Bogen Richtung Nordwest in ein von unten nicht sichtbares Tälchen. Die Steilstufe auf den Boden hinauf musste über die Gleitbahn eines ordentlich grossen Schneebretts etwas heikel überwunden werden. Dann begann es wieder leicht und feucht zu schneien, die Sicht wurde schlecht. Aber solche Situationen schon gewohnt, zog Franz eine direkte Spur auf ein breites Couloir zu, das zu einem Sattel südlich des Gipfels führte. Nach einem Schluck warmen Tees wurden die steileren Hänge in Angriff genommen, und eine halbe Stunde später fand sich das geschlossene Grüppchen auf dem schönen kleinen Gipfel. Der Ausblick rund herum war wie schon gewohnt, da und dort tauchten verschneite Gipfel auf und verschwanden gleich wieder. Aber auf der einen Seite steil unten konnte man Teile des scheusslichen Alpenstädtchens Davos sehen, auf der andern, fast genau in der Falllinie, unsere Autos. Nun schon geübt im Fahren bei mangelhafter Sicht, machte die Abfahrt ziemlich Spass, das Ausweichen den eigeschneiten Steinen und Felsbrocken liess ein kleines Slalomgefühl aufkommen. Krönender Abschluss der Tour: eine megafeine Bündner Gerstensuppe im «Tschuggen». Natürlich mit einem wohlverdienten Getränk. Wer hätte das gedacht: So schlechte Prognose, so schöne Tour!   Donnewrstag, 30. 12. 21 Die Zimmer geräumt und bezahlt, von den Wirtsleuten verabschiedet, wollten wir doch noch eine Tour versuchen. In der Nacht hatte es bis weit hinauf geregnet, jetzt nieselte es noch, die Schneefallgrenze war aber über 2500 m. Das Jörihorn 2845 m. ü. M. hatte Franz vorgeschlagen, aber mit dem Vorbehalt, dass der steile Gipfelhang bei der angesagt grossen Lawinengefahr nicht betreten werden könne. Aber der Weg bis dorthin erlaubte jederzeit einen gefahrlosen Rückzug. Also nochmals die Fahrt bis Tschuggen, dann Marsch über die mit Pflotsch bedeckte Strasse hinauf bis nach den Wendeplatten von Karlimatten. Von hier westwärts durch weichen vom Regen gezeichneten Schnee hinauf Richtung Jöripass. Aber bei immer schlechterer Sicht und mehr Regen wurde das Unternehmen auf der Höhe von etwa 2400 m abgebrochen. Die letzte Abfahrt im «Beinbruchschnee» war dann wohl die gefährlichste der Woche. Aber alle erreichten heil die Strasse und auf einer vereisten Reifenspur eines Wärterautos erreichten wir im Hui wieder den Parkplatz. Die Verabschiedung fand auf den gleichen Sitzplätzen wie gestern im Rest. Tschuggen statt. Eine kleine Woche mit schwierigen Verhältnissen war zu Ende, geprägt von guter Stimmung und kameradschaftlichem Geist. Herzlichen Dank allen, die dazu beigetragen haben.    

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