Berichte

Touren im Silvrettagebiet

Mittwoch, 1. April

Infolge des Wetters wurde schnell klar, dass die Tour wie geplant nicht durchführbar ist. Auch eine Verschiebung um einen Tag nach hinten half nicht.
Urs offerierte uns dann eine Alternative ab Mittwoch für drei Tage ins Silvrettagebiet. Motiviert nahm die Gruppe diese Tour wahr.
Der Start war früh, jedoch gemütlich im Zug nach Scuol und dort mit Hilfe von Skiliften hoch bis Champatsch. Aufgrund der Windpause und Ehrenrunde haben wir das Tourenbillett gut ausgenützt.
So starteten wir um 11Uhr mit der Abfahrt und marschierten dann, begleitet von regelmässigen Wummgeräuschen, Richtung Piz deTasna. Diesen liessen wir wegen Wolken links liegen fuhren zum Lai da Fasch Alba runter. Wir liessen Urs dankbar die First Line ziehen. So wussten wir ungefähr, was uns erwartet im 'Überschinige'.
Weiter zum Kronenjoch aufsteigend und kurzer Gipfelsturm zur Bischofspitze.
Abschluss-Abfahrt im gleichen Stil mit Urs voraus zur Jamtalhütte.
Dort erfreuten uns die grossen Kaiserschmarrn und wir genossen den Aufenthalt in der sehr komfortablen Jamtalhütte.

Donnerstag, 2. April

Bei schönem, aber eisig kaltem Wetter, verlassen wir am Morgen die Jamtalhütte und machen uns auf den Weg Richtung Hintere Jamspitze. Am Gipfel angekommen, weht ein eisiger Wind und dadurch kommt immer mal wieder Nebel auf. An eine gemütliche Gipfelrast ist nicht zu denken und aus dem geplanten Mittagessen wird nichts. Nach ein, zwei schnellen Gipfelfotos machen wir uns bereit für die Abfahrt. Die anschliessende Abfahrt über den Jamtalferner ist ein echtes Highlight. Traumhafter Tiefschnee und beste Verhältnisse sorgen für grossen Genuss. Unten angekommen, ziehen wir erneut die Felle an, um den Gegenanstieg zur Ochsenscharte in Angriff zu nehmen. Bevor es weiter geht, legen wir eine wohlverdiente Pause ein und holen das Mittagessen nach: Ein Sandwich, welches wir uns in der Jamtalhütte beim Morgenessen kostenlos zusammenstellen konnten. Gestärkt steigen wir weiter zur Ochsenscharte auf. Oben angekommen, freuen wir uns auf die bevorstehende Abfahrt zur Wiesbadener Hütte. Doch leider macht uns dichter Nebel einen Strich durch die Rechnung. Die Sicht ist stark eingeschränkt und wir müssen praktisch im Blindflug sowie mit Navigation die Route zur Hütte finden. Am frühen Nachmittag erreichen wir die Wiesbadener Hütte sicher. Für ein gemütliches Bier ist es noch etwas früh, weshalb wir die Zeit sinnvoll nutzen. Urs Horath nimmt sich Zeit für eine Ausbildungseinheit im Bereich Spaltenrettung. Eine lehrreiche und wichtige Übung, die allen Teilnehmern Spass macht und sicherlich von grossem Nutzen ist. Nach dem Zimmerbezug und dem Deponieren der Skischuhe gönnen wir uns eine wohlverdiente Tiroler Brettljause. Gemeinsam lassen wir den erlebnisreichen Tag Revue passieren und richten den Blick bereits gespannt auf die morgige Tour.

Freitag, 3. April

Tag 3 begann früh. Bereits um 6 Uhr sassen wir beim Frühstück, noch etwas verschlafen, und warfen einen ersten Blick aus dem Fenster. Die Stimmung draussen war gedämpft: Der Nebel vom Vortag hing immer noch hartnäckig im Tal und liess wenig Hoffnung auf einen sonnigen Start aufkommen. Trotzdem brachen wir motiviert auf und starteten unsere Tour im dichten Grau. Über die Grüne Kuppe ging es hinauf Richtung Ochsentaler Gletscher, zunächst ganz im Nebel, fast ein wenig mystisch. Dann, wie so oft in den Bergen, kam die Erlösung: Der Nebel lichtete sich, es riss auf - und plötzlich war sie da, die Sonne. Innerhalb weniger Minuten änderte sich die Stimmung komplett und mit ihr auch unsere Energie. Mit freiem Blick auf unser Tagesziel entschloss sich Urs, einen Abstecher auf das Silvrettahorn noch zumachen. Die vorhandene Skispur bog Richtung Egghorn ab, also hiess es für uns: selber spuren. Schritt für Schritt arbeiteten wir uns vorwärts. Ab dem Skidepot stiegen wir in drei Seilschaften weiter zum Gipfel auf - konzentriert, aber voller Vorfreude. Nach einer kurzen, aber intensiven Gipfelrast machten wir uns wieder auf den Rückweg zum Skidepot und fuhren zurück zur Aufstiegsspur und stiegen zur Buinlücke auf. Von dort nahmen wir auch noch den Fussaufstieg auf den Piz Buin unter die Füsse. Eine kurze, ausgesetzte Kletterpassage forderte nochmals volle Aufmerksamkeit, doch um 14.30 Uhr standen wir auf dem Gipfel. Die Rundumsicht war schlicht überwältigend - ein Moment zum Durchatmen, Staunen und Geniessen. Langsam machte sich der Zeitdruck bemerkbar, also hiess es: fokussiert bleiben. Zügig ging es weiter über die Fuorcla dal Cunfin und das Verstanclator, bevor uns die letzte Abfahrt des Tages erwartete. Das unverspurte Verstanclatal bescherte uns nochmals traumhafte Schwünge bis hinunter zur Alp Garfiun - ein perfekter Abschluss dieses langen und intensiven Tages. Von dort liessen wir uns mit dem Taxi nach Klosters bringen und fuhren anschliessend mit dem Zug zurück nach Einsiedeln. Müde Beine, aber glückliche Gesichter - und die Gewissheit, diese besonderen Tage erlebt zu haben, die lange in Erinnerung bleiben.

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