Berichte

Monte Rosa Freeride Skitour

Tourenleiter: Urs Horath
Teilnehmer: 5 Mitglieder + 1 Gast
Berichterstatter: Franz Kälin
Fotos: Roland Leimbacher
Wetter: schön - windig - warm - kalt - Nebel - Schneefall

Eigentlich hat Urs 4 Tage Freeriden im Monte Rosa geplant. Der intensive Schneefall vom Mittwoch und Donnerstag zwingt ihn aber, die Tour um einen Tag zu verkürzen. So starten wir am Freitagmorgen früh zur Fahrt nach Zermatt. Da Andermatt komplett zu ist, wählen wir die Route via Lötschberg. Unser erster Aufstieg führt uns mit den Bahnen auf das kleine Matterhorn. An ein zügiges Vorankommen ist mit dem herrschenden Wind nicht zu denken. Die Gondelbahnen stellen aus Sicherheitsgründen immer wieder ab. Um etwa 1300 Uhr können wir dann endlich die neue «Matterhorn glacier ride - feels like flying», die höchste 3S Bahn der Welt mit von Pininfarina  designten Panoramakabinen besteigen - eindrücklich!

Unsere erste Abfahrt führt uns auf den Pisten zum Plateau Rosa, Testa Grigia, ab hier meistens abseits der Pisten zum Col Nord. Der Schneefall vom Donnerstag hat auf dieser Höhe eine Schicht von «Plattenpulver» hinterlassen, welcher das Freeriden doch ziemlich anspruchsvoll werden liess. Der weitere Weg führt durch das Tal des Torrent de Courthoud nach St-Jacques. Die starke Aprilsonne verwandelt den frischen Neuschnee ab ca. 2500 müM gnadenlos in Nassschnee, ohne Unterlage, was diese Abfahrt zu einem «wahren Genuss» werden liess. Auf jeden Fall haben wir uns das Bier im Hotel in St-Jacques wohlverdient.

Am Samstagmorgen steht zuerst einmal die Überquerung des Colle Bettaforca mit den Bahnen nach Stafal im Val Gessoney auf dem Programm. Wir erleben schon bald, was die relativ kühle Nacht mit dem nassen Schnee gemacht hat, nämlich Bruchharst vom Feinsten. Der Colle Bettaforca liegt «nur 2672 müM», also müssen wir auf besseren Schnee in höheren Lagen hoffen. Dafür ist die Piste nach Stafal in einem perfekten Zustand.

Auf der anderen Talseite geht es dann mit den Bahnen wieder hoch zum Passo dei Salati. Das nächste Tief schiebt bereits aus Süden seine Nebelfelder in tieferen Lagen in die Täler, weshalb wir uns entschliessen zur Punta Indren (Endrespétz), 3275 müM hochzufahren, solange man noch etwas sehen kann. Die nicht präparierte Abfahrt via Endregletscher zur Orestes Hütte und dann zur Mittelstation, Gabiet auf 2340 müM, ist eigentlich das Paradestück für Freerider. Die Schneeverhältnisse, selbst auf dieser Höhe, und die schlechter werdende Sicht liessen aber auch diese Abfahrt zu einem anstrengendem Erlebnis werden. Wir probieren dann auf beiden Seiten des Passo des Salati noch mehrere Freerides, fast alle mit demselben Resultat - es war am Freitag bis in grosse Höhen viel zu warm! So entschliessen wir uns um ca. 1430 Uhr bereits in die Rifugio Citta di Mantova, 3498 müM, aufzusteigen.

In der Nacht setzt der vorausgesagte Schneefall ein. Am Sonntagmorgen herrscht auf der Mantovahütte ein veritabler kleiner Wintersturm. An einen Aufstieg zum Liskamm, resp. Ludwigshöhe, mit anschliessender Abfahrt auf dem Grenzgletscher ist somit überhaupt nicht zu denken. Also entschliessen wir uns, für die Abfahrt nach Stafal. Nach wenigen hundert Metern verknackst sich Isabel bei einem Sturz im tiefen Neuschnee, ca. 40 cm, das Knie. An eine Weiterfahrt ist damit nicht zu denken und der Wiederaufstieg der Gruppe zur Mantovahütte damit unvermeidlich. Ein Einsatz der Air Zermatt bei diesem Wetter scheint aber auch nicht wahrscheinlich. Isabel wurde dann am Montag ausgeflogen. Wir wünschen ihr auf diesem Wege gute Besserung.

Der Rest der Gruppe startet nochmals Richtung Stafal. Wenn die Sicht nur etwas besser gewesen wäre, dann hätten wir das als eine richtig tolle Abfahrt erleben können. So blieb es meistens beim Blindflug.

In Stafal organisieren wir ein Taxi, welches uns nach Cervinia fährt. Mit Hilfe der Bahnen gelangen wir wieder zu unserem Ausgangspunkt zum Plateau Rosa und dann auf den Pisten nach Zermatt zurück.

Diese Freeridetour zeigte uns einmal mehr, dass wir einem Outdoor-Sport frönen. Wir müssen mit den herrschenden Wetter- und Schneeverhältnissen zurechtkommen und flexibel bleiben. Ich denke, Urs hat diese Problematik perfekt gemeistert. Besten Dank für diese eindrücklichen Tage.

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