Berichte
Grat-Klettern im Furkagebiet
Fr. 15. 8. 2025 - Chli Bielenhorn – Schildkrötengrat, 3c
Nach dem wir vorerst zu dritt auf der Sidelenhütte angekommen sind, konnten wir uns am Schildkrötengrat wunderbar für die kommenden Tage aufwärmen. Ob nun aus Bequemlichkeit oder als Übung, wir entschieden uns, das abwechslungsreiche Grätli mit den Zustiegsschuhen zu bewältigen. Zurück bei der Hütte ist dann auch unser vierter Mann zu uns gestossen. Nach einer kurzen Stärkung bewältigten wir noch ein paar Routen an den Seeplatten direkt unter dem Seeli. Die abwechselnde Bewölkung hat über den Tag ein immer angenehmeres Klima geschaffen.
Sa. 16.8.2025 - Gross Bielenhorn SE Grat, 4c-A0 (5c+)
Die meisten Besucher der Sidelenhütte hatten sich bereits früh morgens auf den Weg zum Galenstock gemacht. So konnten wir gemütlich und in aller Ruhe das Frühstück geniessen. Frisch gestärkt ging es Richtung Untere Bielenlücke und von da hinter den beiden Kamelen vorbei zum Südostgrat des Gross Bielenhorn. Bis zum Einstieg der Kletterroute musste bereits etwas gekraxelt werden. Wir waren die Ersten am Grat und so rüsteten wir uns gleich für die Kletterei aus und stiegen in zwei 2er-Seilschaften in die erste Seillänge ein. Der Fels war wunderbar griffig und fest und das Klettern machte richtig Spass. Trotz ein paar Knacknüssen kamen wir gut vorwärts und standen bereits bei einer ersten Abseilstelle. Nach dieser konnte bequem auf einen grosszügigen Pausenplatz gequert werden. Rasch etwas gegessen, getrunken und den Regenradar geprüft und weiter ging es zum Gipfelaufschwung. Nach weiteren interessanten Kletterstellen und einer luftigen Querung standen wir auf dem Gipfel des Gross Bielenhorn und konnten uns gratulieren. Jedoch sollte man den Tag nicht vor dem Abend loben.
Nach einer weiteren Abseilstelle stiegen wir eine steile Rinne ab und querten wieder zum Pausenplatz. Gleich in der Scharte nebenan startete die Abseilpiste. Das Abseilen ging reibungslos über die Bühne. Unten angekommen, musste nur noch das Seil abgezogen werden. Doch wieso kommt es nicht runter? Alles Schwingen und Ziehen in verschiedene Richtungen half nichts. Es war festgeklemmt. Was nun? Nach einigem Warten, es war mindestens noch eine Seilschaft im Aufstieg, schrieben wir einen Zettel mit der Bitte, das Seil doch in der Hütte abzugeben. Für uns ging es dann wieder zurück zur Hütte, in der Hoffnung, das Seil wieder zu bekommen und die Tour vom nächsten Tag wie geplant durchführen zu können. Während dem Nachtessen kam dann tatsächlich noch eine Seilschaft mit dem Seil bei der Hütte vorbei. Vielen Dank! So stand der Tour auf das Gross Furkahorn vom Sonntag nichts mehr im Weg.
So. 17.8.2025 - Gross Furkahorn ESE Grat, 4c / 5a
5.50 Uhr Tagwache. Einige aus unserem Zimmer sind schon früher los, um den Galenstock via Sidelengletcher zu besteigen. Nur noch eine Person döst ruhig vor sich hin, währenddem wir unsere Sachen im Zimmer packen und runter gehen. Am Frühstück sehen alle fit aus - wir haben dank dem Temperatursturz letzte Nacht gut geschlafen und geniessen den frischen Zopf, den die Hüttenwartin Silvia für uns gebacken hat. Draussen wird es langsam hell und die Berggipfel im Osten leuchten feuerrot. Die Sicht ist klar und draussen liegen noch kleine Haufen Schnee vom Gewitter, welches uns gestern Abend einen Besuch abgestattet hat.
Gegen 7 Uhr stehen wir bereit vor der Hütte. Wir sind ausgestattet mit unserem Seil, welches uns die Italiener, die gestern beim Abseilen am Gross Bielenhorn stecken geblieben sind, netterweise zurückgebracht haben. Wir laufen los Richtung Westen, zur Lücke zwischen dem Gross und Chli Furkahorn. Nach wenigen 100 Metern verschwindet der Weg und wir folgen Roland, der mit seinen Instinkten eine optimale Route zwischen den vielen Felsblöcken findet, bis wir nach einer guten Stunde Wandern und Bouldern unten an der Felswand ankommen und merken, dass wir längst nicht alleine sind. Wir bereiten uns vor und warten, bis die drei Seilschaften vor uns die Wand freigeben, währenddem sich hinter uns schon weitere Seilschaften stauen, darunter eine Gruppe von deutschen Jungs, die wir gestern am Chli Bielenhorn schon gesehen haben. Dann geht’s los. Die ersten zwei Seillängen bringen uns vom Fuss des Gross Furkahorns auf den Sidelengrat hoch (ESE-Grat im SAC Tourenportal). Obwohl es im Plaisir nur als 4c angegeben ist, gibt es bereits ein paar kniflige Stellen zu überwinden, die so früh am Morgen doch etwas ausgesetzt wirken. Danach geht es weiter auf dem Grat mit etwas einfacherer Kletterei zwischen 3 und 4c, bis man auf der Hinterseite des Grates einen Turm umgeht. Immer wieder ziehen Wolken über den Grat und manchmal sieht man oben und unten nur noch Nebel. Hier merkt man, dass es ausgesetzter und auch kühler wird. Wir klettern weiter dem Grat entlang, wo die Sicherungen durch das einfachere Niveau zum Teil etwas weiter auseinander sind, aber dank den vielen Rinnen und Spalten im Granit ist das kein Problem für uns und wir profitieren davon, um Jan (der recht frisch in der Kletterwelt angekommen ist) beizubringen, wie man Friends und Keile richtig legt. Der Fels ist hier übrigens von einer traumhaften Qualität: griffig, aber nicht scharf und äusserst stabil auf der ganzen Route. So hat man’s gerne.
Irgendwann, kurz vor dem finalen Gipfelaufschwung merken wir, dass wir überholen können. Die Route lässt uns mehrere Optionen offen und wir wechseln zum halblangen Seil, damit wir schneller vorankommen. In Kürze erreichen wir die finale Kletterpartie direkt unter der legendären Gipfelnadel, wo es durch die Höhe und den Schatten fast bissig kalt ist. Wir besteigen diese letzte, luftige Seillänge (4c) und kommen oben auf ein kleines, sonniges Gipfelpodest mit traumhafter Aussicht auf den Rhonegleschter, den Galenstock und bis weit ins Berner Oberland und Oberwallis. Lange können wir den Gipfel nicht geniessen, denn es gibt nicht viel Platz und die nächsten kommen schon. Ruck-zuck klettert Roland rüber zur Gipfelnadel, die ein paar Meter über dem Gipfelpodest thront und wo einen Abseilstand installiert ist. Von da aus seilen wir eine Seillänge ab, machen eine kurze Pause und laufen vorsichtig runter bis zur nächsten Abseilstelle (50m). Nach dem ganzen Fiasco von gestern wollen wir kein Risiko eingehen und Roland seilt nur bis zur Mitte ab, um sicherzustellen, dass das Seil wirklich nirgends einhängt, während dem der Rest der Gruppe bis runter geht. Und zum Glück hat er das gemacht, denn das Seil hat sich effektiv wieder verhängt, konnte dieses Mal aber leicht gerettet werden! Ab hier brauchen wir kein Seil mehr und gehen langsam einen steilen Weg hinunter zurück zum Einstieg und dann denselben Weg zurück zur Hütte.
Es war ein super Wochenende, wir haben uns sehr gut verstanden und konnten viele neue und wertvolle Erfahrung sammeln. Perfekt in der Gruppengrösse mit zwei Seilschaften à 2 Mitgliedern und bei passendem Wetter konnten wir die drei geplanten, anspruchsvollen Projekttouren meistern. Roland, für deine super Vorbereitung, Organisation und gute Führung, auch wenn’s hie und da einen schwierigen Moment gab.

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